Die Interessenabwägung nach Art. 3 RPV ist eine zentrale Aufgabe der Raumplanung – und eine der anspruchsvollsten. Wir haben ein Tool entwickelt, bei dem fünf spezialisierte KI-Agenten diese Abwägung in einer strukturierten Debatte durchführen.
Nach Art. 3 der Raumplanungsverordnung (RPV) wird verlangt, dass bei raumwirksamen Entscheiden die betroffenen Interessen ermittelt, bewertet und gegeneinander abgewägen werden. In der Praxis bedeutet das: Dutzende von Interessen aus Bereichen wie Siedlung, Landschaft, Verkehr, Umwelt und Wirtschaft müssen systematisch erfasst und nachvollziehbar gewichtet werden.
- Vollständigkeit der Interessenerhebung
- Nachvollziehbarkeit der Gewichtung
- Berücksichtigung aller betroffenen Rechtsgebiete
- Verhältnismässigkeit der vorgeschlagenen Massnahmen
Das Ergebnis ist ein Score, der anzeigt, wie robust die Abwägung gegenüber einer gerichtlichen Überprüfung ist. Schwachstellen werden konkret benannt.
Viersprachig und datenschutzkonform
Das Tool unterstützt Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch – entsprechend den vier Landessprachen der Schweiz. Die KI-Anfragen laufen über die Mistral API mit europäischen Servern.
Word-Export für die Praxis
Am Ende des Prozesses kann die gesamte Interessenabwägung als Word-Dokument exportiert werden – formatiert und strukturiert, bereit für den Planungsbericht oder die Behördeneingabe. Der Export umfasst die Faktengrundlage, alle Argumente, die Bewertung und die Gesamtabwägung.
Die Qualität dieser Abwägung entscheidet häufig über die Gerichtsfestigkeit eines Planungsentscheids. Trotzdem fehlt es oft an Zeit, Ressourcen und methodischer Konsistenz – gerade in kleineren Gemeinden und Planungsbüros.
Der Ansatz: Fünf KI-Agenten debattieren
Das Herz ist die Interessenabwägung und ergänzend und optional die Agenten-Debatte. Fünf spezialisierte KI-Agenten übernehmen unterschiedliche Rollen und diskutieren die Interessenabwägung in drei strukturierten Runden:
FAKTEN-Agent: Sammelt und strukturiert die objektiven Grundlagen – Geodaten, rechtliche Rahmenbedingungen, bestehende Nutzungen.
PRO-Agent: Argumentiert für das Vorhaben und identifiziert den Nutzen für die räumliche Entwicklung.
CONTRA-Agent: Bringt Einwände vor – von Umweltbedenken bis zu Konflikten mit dem Ortsbild.
RECHT-Agent: Prüft die formelle Gerichtsfestigkeit anhand von 8 Kriterien der Bundesgerichtspraxis.
MODERATOR-Agent: Führt die Synthese und formuliert eine ausgewogene Gesamtabwägung.
Das Tool liefert Vorschläge, keine Entscheidungen. Jeder Schritt bleibt durch den Experten bearbeitbar.
Automatische Geodaten-Analyse
Bevor die Debatte startet, analysiert das System automatisch den Standort über die geo.admin.ch API. Es erkennt die relevanten Schutzgebiete, Gefahrenzonen, Grundwasserschutzzonen, Altlasten und weitere räumliche Gegebenheiten. Diese Faktengrundlage fliesst direkt in die Argumentation der Agenten ein.
Das spart nicht nur Zeit bei der manuellen Recherche – es stellt auch sicher, dass keine relevanten räumlichen Informationen übersehen werden.
Drei Debatten-Runden
Die Agenten diskutieren in drei aufeinander aufbauenden Runden:
Runde 1 – Standpunkte: Jeder Agent legt seine Perspektive dar. Der FAKTEN-Agent präsentiert die Grundlagen, PRO und CONTRA bringen ihre Argumente ein.
Runde 2 – Vertiefung: Die Agenten reagieren aufeinander. Der RECHT-Agent bewertet die bisherigen Argumente auf ihre rechtliche Tragfähigkeit.
Runde 3 – Synthese: Der MODERATOR führt die Ergebnisse zusammen und formuliert eine nachvollziehbare Gesamtabwägung mit Empfehlung.
Der RECHT-Agent prüft die Abwägung anhand von 8 Kriterien, die sich aus der Bundesgerichtspraxis ableiten – Gerichtsfestigkeit als Massstab.
Für wen ist das Tool gedacht?
Raumplaner, Planungsbüros, Verbände, Interessenorganisationen, Private, Verwaltungen: Für systematische, konsistente Interessenabwägungen im Rahmen von Nutzungsplanungen und Sondernutzungsplänen.
Gemeinden: Für die Vorbereitung von Planungsentscheiden und Baugenehmigungen mit nachvollziehbarer Abwägung.
Kantonale Fachstellen: Für die Überprüfung und Qualitätssicherung von eingereichten Abwägungen.
Fazit
Interessenabwägungen sind komplex, zeitaufwendig und entscheidend für die Rechtsbestandskraft von Planungsentscheiden. Unser Tool ersetzt keine planerische Beurteilung – aber es unterstützt Fachleute dabei, diese Beurteilung systematischer, vollständiger und nachvollziehbarer durchzuführen.
Probieren Sie es selbst aus: interessenabwägung.ch
Autor: Andreas Rupf