KI im Planungsbüro
Welches Sprachmodell für Planungsbüros? Claude, ChatGPT, Copilot, Mistral und Apertus im Vergleich
Es gibt nicht das eine richtige Modell, sondern eine richtige Kombination. Für Texte, lange Dokumente und Recherche mit Fachanbindung sind die grossen Modelle von Anthropic (Claude) und OpenAI (ChatGPT) am stärksten; mit Business- oder Enterprise-Vertrag werden Ihre Eingaben nicht für das Training verwendet, und beide Anbieter bieten Datenverarbeitung in Europa an. Wer Microsoft 365 nutzt, bekommt mit Copilot dieselbe Modellfamilie in Word und Outlook, muss aber zuerst die Berechtigungen im Dateisystem bereinigen. Für Massenaufgaben, Agenten und Daten, die Europa nicht verlassen sollen, ist Mistral die Wahl: europäischer Anbieter, offen lizenzierte Modelle, gutes Deutsch, ein Bruchteil der Kosten. Apertus, das offene Schweizer Modell von ETH, EPFL und CSCS, ist die souveräne Option für Kantone und grosse Verwaltungen, die Modell und Daten im Land halten wollen, braucht aber einen Betreiber. Die bewährte Zwei-Modell-Strategie: ein starkes Modell mit Vertrag für anspruchsvolle Arbeit, ein europäisches oder offenes Modell für sensible Daten und Routinen, verbunden durch eine Regel, welche Datenklasse wohin darf. Entscheidend ist weniger das Modell als die Anbindung an Fachquellen: Ohne sie erfinden alle Modelle Paragrafen.
Sechs Kriterien, die für Planungsbüros zählen
Modellvergleiche im Netz messen Programmieraufgaben und Mathematikrätsel. Für ein Planungsbüro zählen andere Dinge.
1. Datenschutz und Standort. Werden Eingaben für das Training genutzt? Wo werden sie verarbeitet und wie lange gespeichert? Gibt es einen Auftragsbearbeitungsvertrag? Bei Consumer-Konten lautet die Antwort oft «ja, USA, unbestimmt, nein»; bei Business-Verträgen «nein, wählbar, kurz, ja». Das Kriterium entscheidet, ob ein Werkzeug für Gemeindeaufträge überhaupt in Frage kommt.
2. Deutsch, und zwar Schweizer Amtsdeutsch. Planungsberichte, Verfügungen und Mitwirkungsberichte brauchen präzises Deutsch mit Schweizer Schreibweise (ss statt ß, Gemeinderat statt Stadtrat, Baubewilligung statt Baugenehmigung). Die grossen Modelle beherrschen das, wenn man es ihnen sagt; kleinere Modelle rutschen in deutsche Verwaltungssprache ab.
3. Dokumente und Kontext. Wie viele Seiten kann das Modell auf einmal lesen? Ein Planungsbericht mit Anhängen, ein Baureglement, hundert Mitwirkungseingaben: Das verlangt Modelle, die mehrere hundert Seiten im Kontext halten und daraus zitieren, statt zu raten.
4. Werkzeuganbindung. Kann das Modell auf Gesetzessammlungen, Rechtsprechung, Geodaten und das eigene Archiv zugreifen? Das Model Context Protocol (MCP) ist dafür zum offenen Standard geworden; Claude, ChatGPT und Copilot unterstützen es, und darüber laufen Fachanbindungen wie der SPEKTRUM MCP. Ein Modell ohne Anbindung ist für Rechtsfragen ungeeignet, egal wie gross es ist.
5. Kosten. Für fünf Personen mit Business-Konten ist der Preis nebensächlich. Für Agenten, die hundert Anfragen pro Tag stellen, oder für die Auswertung von tausend Dokumenten wird der Preis pro Million Verarbeitungseinheiten entscheidend; dort liegen die kleineren europäischen Modelle um einen Faktor von dreissig bis fünfzig unter den grossen.
6. Offenheit und Ausstieg. Offen lizenzierte Modelle (Mistral, Apertus) können Sie im Notfall selbst betreiben oder zu einem anderen Anbieter mitnehmen. Geschlossene Modelle binden Sie an Preis und Bedingungen des Anbieters. Für ein Büro, das Agenten und Vorlagen über Jahre aufbaut, ist das eine strategische Frage, keine technische.
Die Anbieter im Überblick
Claude (Anthropic). Stärken: lange Dokumente, sorgfältiges Schreiben, Programmierung, MCP ist hier zu Hause. Geschäftsverträge schliessen Training aus und regeln die Auftragsbearbeitung; Datenverarbeitung in Europa ist für Geschäftskunden wählbar. US-Anbieter, geschlossenes Modell. Für SPEKTRUM das Modell für Texte, Werkzeugentwicklung und die eigenen Fachanbindungen.
ChatGPT (OpenAI). Die grösste Verbreitung und die meisten Integrationen; Team- und Enterprise-Verträge ohne Training, Datenresidenz in Europa für Geschäftskunden. Der Vorteil ist, dass viele Mitarbeitende es schon kennen; der Nachteil, dass die privaten Konten, die sie kennen, nicht die Business-Bedingungen haben.
Microsoft Copilot. Dieselben Modellfamilien über Azure, eingebettet in Word, Outlook, Teams und SharePoint, mit den Vertrags- und Standortoptionen von Microsoft 365 (EU-Rechenzentren). Die Falle: Copilot durchsucht alles, worauf die Person Zugriff hat. Falsch gesetzte Berechtigungen, die jahrelang niemandem auffielen, werden sichtbar. Zuerst die Ablage bereinigen, dann einschalten.
Mistral (Mistral AI, Frankreich). Europäischer Anbieter mit Servern in Europa, Modelle unter Apache-2.0-Lizenz, gutes Deutsch, OpenAI-kompatible Schnittstelle und sehr tiefe Preise. Grenzen bei hochkomplexem Reasoning und sehr langen Kontexten, kleineres Ökosystem. SPEKTRUM betreibt damit seine Agenten und die Werkzeuge Interessenabwägung AI und UVP-Screening.
Apertus (ETH Zürich, EPFL, CSCS). Seit September 2025 das erste grosse Sprachmodell aus der Schweiz: vollständig offen in Architektur, Gewichten und Trainingsdaten, in zwei Grössen (8 und 70 Milliarden Parameter), auf über tausend Sprachen trainiert, inklusive Schweizerdeutsch und Rätoromanisch. Zugang über Hugging Face oder die Swiss AI Platform von Swisscom; der Kanton Tessin übersetzt amtliche Dokumente damit auf dem eigenen Server. Apertus ist ein Basismodell, kein fertiger Assistent: Es braucht einen Betreiber, Anpassung und eine Schnittstelle. Für Kantone und grosse Verwaltungen mit Souveränitätsanspruch die richtige Richtung; für ein Büro mit zehn Personen noch kein Alltagswerkzeug.
Gemini (Google) spielt in Schweizer Verwaltungen eine kleinere Rolle und ist vor allem für Büros interessant, die Google Workspace nutzen; die Vertragsfragen sind dieselben wie bei Microsoft.
Die Zwei-Modell-Strategie
Büros, die mit einem einzigen Werkzeug für alles starten, landen in einem von zwei Dilemmas: Entweder das Werkzeug ist stark, aber für sensible Daten nicht zugelassen, oder es ist souverän, aber für anspruchsvolle Texte zu schwach. Die Lösung ist eine Kombination mit klarer Regel.
Modell A, das starke Modell mit Vertrag. Claude oder ChatGPT im Business-Vertrag, für Berichtsentwürfe, Zusammenfassungen, Recherche mit Fachanbindung, Programmierung von Vorlagen. Zugelassen für öffentliche und interne Daten sowie für Personendaten, soweit der Vertrag Auftragsbearbeitung, Standort und Nichttraining regelt und die Auftraggeberin zustimmt.
Modell B, das europäische oder offene Modell. Mistral über die Schnittstelle, Apertus über einen Schweizer Anbieter oder selbst gehostet, für Agenten, Massenverarbeitung und Daten, die Europa oder die Schweiz nicht verlassen dürfen. Zugelassen für alle Datenklassen, soweit der Betrieb den kantonalen Vorgaben entspricht.
Die Regel dazwischen ist die Datenklassifikation: öffentlich, intern, Personendaten, besonders schützenswert. Je Klasse steht in der Nutzungsrichtlinie, welches Modell erlaubt ist und ob vorher anonymisiert wird. Mit dieser Regel muss niemand im Büro jedes Mal neu entscheiden.
Die Anbindung ist für beide Modelle dieselbe: Gesetzessammlungen, Rechtsprechung, kantonale Verfahrensprofile, Geodaten und das eigene Archiv über MCP oder eine Dokumentensuche. Sie macht aus einem Sprachmodell ein Fachwerkzeug und ist langlebiger als die Modellwahl, weil sie beim Modellwechsel bleibt.
Nicht empfohlen: ein selbst betriebenes Modell für ein kleines Büro ohne IT-Partner; ein Consumer-Konto für Geschäftsdaten; mehr als zwei Modellanbieter parallel; der Verzicht auf Fachanbindung mit der Begründung, das Modell «wisse das schon».
Modelle ändern sich: was bleibt
Modelle und Preise ändern sich alle paar Monate; dieser Text ist auf den 1. November 2026 datiert und wird nachgeführt. Was ein Büro über Jahre behält, ist etwas anderes: die Datenklassifikation, die Nutzungsrichtlinie, die Vorlagen für die drei bis fünf wichtigsten Arbeitsabläufe, die Fachanbindungen und das geschulte Team. Wer diese Dinge sauber aufbaut, wechselt das Modell in einer Woche; wer sie an ein Produkt bindet, wechselt gar nicht.
Drei Vorkehrungen machen den Wechsel leicht. Erstens Vorlagen und Anweisungen als Textdateien im Büro ablegen, nicht nur im Werkzeug. Zweitens Fachanbindungen über offene Standards wie MCP wählen, die mehrere Modelle unterstützen. Drittens eigene Daten, die ein Assistent durchsuchen darf, in eigener Ablage halten und nur den Index freigeben, nicht die Dokumente in eine Plattform kopieren.
Für Verwaltungen kommt der Beschaffungsaspekt dazu: Ab gewissen Beträgen gelten Ausschreibungsregeln, und die Datenschutzstellen der Kantone haben für Cloud-Dienste eigene Prüfraster. Es lohnt sich, die Modellwahl als Teil einer kleinen KI-Strategie zu dokumentieren: Zweck, Datenklassen, Anbieter, Vertrag, Verantwortliche, Überprüfung nach zwölf Monaten. Das Papier ist zwei Seiten lang und beantwortet die Fragen der Datenschutzstelle, bevor sie gestellt werden.
Zehn Fragen an den Anbieter, bevor Sie unterschreiben
Die Antworten gehören in den Vertrag oder in die Nutzungsbedingungen, nicht in eine E-Mail des Vertriebs:
- Werden unsere Eingaben für das Training verwendet?Muss ausgeschlossen sein, standardmässig, nicht als Option, die jede Person selbst setzen muss.
- Wo werden die Daten verarbeitet und gespeichert?Land und Region, inklusive Subunternehmer; für Gemeindedaten in der Regel Schweiz oder EU.
- Wie lange werden Eingaben und Ausgaben aufbewahrt?Konkrete Frist; Null-Aufbewahrung ist bei Schnittstellen oft wählbar.
- Gibt es einen Auftragsbearbeitungsvertrag nach DSG und DSGVO?Mit Weisungsrecht, Unterstützungspflichten, Löschung bei Vertragsende, Liste der Subunternehmer.
- Wer hat beim Anbieter Zugriff auf unsere Inhalte?Missbrauchsprüfung durch Menschen, Support-Zugriff, Protokollierung.
- Welche Verwaltungsfunktionen gibt es?Zentrale Benutzerverwaltung, Rollen, Protokolle, Abschalten von Funktionen, Datenexport.
- Unterstützt das Modell offene Anbindungen (MCP)?Damit Fachquellen und das eigene Archiv angebunden werden können, ohne Daten in die Plattform zu kopieren.
- Wie werden Preise berechnet und angepasst?Pro Person, pro Verarbeitungseinheit, Kündigungsfristen, Preisänderungen.
- Was passiert bei Vertragsende?Export aller Daten und Vorlagen in offenen Formaten, Löschbestätigung.
- Gibt es Zusicherungen zur Verfügbarkeit und Haftung?Für Werkzeuge, die im Alltag unverzichtbar werden, wichtiger als der Preis.
Fünf Anbieter nach sechs Kriterien
Einschätzung für Planungsbüros und Verwaltungen, Stand 1. November 2026; Verträge und Funktionen ändern sich, massgebend sind die aktuellen Bedingungen der Anbieter:
| Anbieter | Datenschutz und Standort | Deutsch und Dokumente | Werkzeuganbindung | Kosten | Offenheit und Ausstieg |
|---|---|---|---|---|---|
| Claude (Anthropic) | US-Anbieter; Geschäftsverträge ohne Training, Auftragsbearbeitung, Verarbeitung in Europa wählbar | Sehr gut; sehr lange Dokumente, zitiert aus Unterlagen | MCP nativ, Fachanbindungen wie SPEKTRUM MCP | Mittel bis hoch pro Verarbeitungseinheit; pro Person moderat | Geschlossen; Vorlagen und Anbindungen portabel |
| ChatGPT (OpenAI) | US-Anbieter; Team- und Enterprise-Verträge ohne Training, Datenresidenz in Europa für Geschäftskunden | Sehr gut; lange Dokumente | MCP unterstützt, viele Integrationen | Mittel bis hoch | Geschlossen; grösstes Ökosystem |
| Microsoft Copilot | Über Azure mit EU-Rechenzentren und Microsoft-365-Verträgen; Berechtigungen im Dateisystem entscheidend | Gut; in Word, Outlook, Teams eingebettet | Eigene Konnektoren, MCP unterstützt | Pro Person als Zusatz zu Microsoft 365 | Geschlossen; starke Bindung an das Microsoft-Ökosystem |
| Mistral (Mistral AI) | Europäischer Anbieter, Server in Europa | Gut; bei sehr langen oder komplexen Aufgaben Grenzen | OpenAI-kompatible Schnittstelle, Werkzeugaufrufe | Sehr tief, Faktor 30 bis 50 unter den grossen Modellen | Offen (Apache 2.0); selbst betreibbar |
| Apertus (ETH, EPFL, CSCS) | Schweizer Modell; selbst gehostet oder über Schweizer Plattformen, kein Datenabfluss | Gut für Übersetzung und Standardtexte, inklusive Schweizerdeutsch; als Basismodell weniger stark im Reasoning | Über eigene Schnittstelle des Betreibers | Betriebskosten statt Lizenz; Modell selbst kostenlos | Vollständig offen inklusive Trainingsdaten |
Einschätzung SPEKTRUM aus Beratung und eigenem Betrieb; Angaben zu Verträgen aus den veröffentlichten Geschäftsbedingungen der Anbieter, vor Vertragsschluss zu prüfen.
Modell auswählen in sechs Schritten
Der Auswahlprozess dauert zwei bis vier Wochen und endet mit einem unterschriebenen Vertrag und einer Regel:
- Aufgaben und Volumen festhalten Welche drei bis fünf Arbeitsabläufe sollen unterstützt werden, wie viele Personen, wie viele Dokumente pro Monat; daraus ergibt sich, ob der Preis pro Person oder pro Verarbeitungseinheit zählt.
- Datenklassen festlegen Öffentlich, intern, Personendaten, besonders schützenswert; je Klasse die Anforderungen an Standort, Vertrag und Anonymisierung.
- Zwei bis drei Anbieter in die engere Wahl nehmen Ein starkes Modell mit Geschäftsvertrag, ein europäisches oder offenes Modell; die Vertragsfragen der Checkliste schriftlich stellen.
- Mit eigenen Dokumenten testen Dieselben fünf Aufgaben bei jedem Anbieter: Berichtsentwurf aus Protokoll, Zusammenfassung eines Reglements, Rechtsfrage mit Fundstelle, Übersetzung, Auswertung von zwanzig Eingaben; Ergebnisse von zwei Fachpersonen bewerten.
- Vertrag und Anbindung Geschäftsvertrag mit Auftragsbearbeitung abschliessen, zentrale Verwaltung einrichten, Fachanbindungen aktivieren, private Konten ablösen.
- Regel, Schulung, Überprüfung Datenklassen und Modelle in die Nutzungsrichtlinie, halber Tag Schulung, Überprüfung der Wahl nach zwölf Monaten.
Aus der Praxis
Welche Modelle SPEKTRUM selbst einsetzt
SPEKTRUM arbeitet seit 2025 mit der Zwei-Modell-Strategie. Die Agenten auf dem eigenen Server, die E-Mail-Entwürfe, Projektübersichten und Kommunikation vorbereiten, laufen mit Mistral: europäischer Anbieter, offene Lizenz, gutes Deutsch, und bei hunderten Anfragen pro Tag bleibt die Monatsrechnung im tiefen zweistelligen Frankenbereich. Dieselbe Wahl gilt für die Werkzeuge Interessenabwägung AI und UVP-Screening, die mit einem harten Monatsbudget für Modellkosten betrieben werden; beide lassen sich für Kantone und grosse Gemeinden auch auf eigener Infrastruktur mit einem lokalen Modell wie Apertus betreiben.
Für anspruchsvolle Texte, die Entwicklung der Werkzeuge und die Fachanbindungen kommt Claude mit Geschäftsvertrag zum Einsatz; die Antwortseiten dieses Wissensbereichs entstehen so, mit Gesetzestexten und Rechtsprechung aus dem SPEKTRUM MCP als Quelle. Der MCP selbst ist modellunabhängig und wird in Claude, ChatGPT und Copilot genutzt.
Apertus beobachten wir seit der Veröffentlichung und haben es in der Innovation-Sandbox des Kantons Zürich im Blick: Als Basismodell ist es für ein Einpersonenbüro noch kein Alltagswerkzeug, für Kantone mit Souveränitätsanspruch aber die richtige Richtung, wie der Kanton Tessin mit der Übersetzung amtlicher Dokumente zeigt.
Häufige Fragen
Ist ChatGPT für ein Planungsbüro erlaubt?
Mit einem Team- oder Enterprise-Vertrag, der Training ausschliesst, Auftragsbearbeitung regelt und Datenresidenz in Europa bietet, grundsätzlich ja, für öffentliche und interne Daten ohne Weiteres, für Personendaten aus Gemeindeaufträgen mit Zustimmung der Auftraggeberin und nach deren kantonalem Datenschutzrecht. Mit einem privaten Konto nein: Dort können Eingaben für das Training genutzt werden, es gibt keinen Vertrag und keine zentrale Kontrolle. Dasselbe gilt für Claude und alle anderen Anbieter.
Welches Modell schreibt das beste Deutsch?
Die grossen Modelle von Anthropic und OpenAI schreiben sehr gutes Deutsch und halten Schweizer Schreibweise und Amtssprache ein, wenn die Anweisung es verlangt; eine Vorlage mit Beispielen aus den eigenen Berichten ist wirksamer als jeder Modellwechsel. Mistral liefert zuverlässiges, kompaktes Deutsch für Entwürfe und Zusammenfassungen. Apertus ist für Übersetzungen zwischen den Landessprachen und Standardtexte gut geeignet und versteht als einziges Modell Schweizerdeutsch.
Brauchen wir Apertus?
Als Büro mit fünf bis dreissig Personen nicht heute. Apertus ist ein offenes Basismodell, das einen Betreiber braucht; über Schweizer Anbieter ist es als souveräne Lösung verfügbar, aber in Leistung und Werkzeuganbindung nicht auf dem Stand der grossen Modelle. Für Kantone, grosse Gemeinden und Verwaltungen, deren Datenschutzrecht Cloud-Dienste ausserhalb der Schweiz ausschliesst, ist es die richtige Richtung, und die Werkzeuge von SPEKTRUM lassen sich daran koppeln. Beobachten lohnt sich; die Entwicklung geht schnell.
Was kostet ein Sprachmodell für unser Büro?
Für Business-Konten der grossen Anbieter zahlt ein Büro pro Person und Monat etwa den Preis eines Fachzeitschriften-Abos, mit Verwaltungskonsole und Vertrag. Über die Schnittstelle wird pro verarbeiteter Textmenge abgerechnet; dort liegen die kleineren europäischen Modelle um einen Faktor dreissig bis fünfzig unter den grossen, was für Agenten und Massenverarbeitung entscheidend ist. Fachanbindungen wie der SPEKTRUM MCP kommen pro Büro dazu. Der grösste Kostenblock ist in jedem Fall die Einführung, nicht die Lizenz.
Können wir später das Modell wechseln?
Ja, wenn Sie Vorlagen und Anweisungen als eigene Dateien führen, Fachanbindungen über offene Standards wie MCP wählen und eigene Daten in eigener Ablage halten. Dann ist ein Wechsel eine Frage von Tagen. Schwierig wird er, wenn das Büro Dokumente in eine Plattform kopiert, Arbeitsabläufe nur dort gebaut und das Team nur ein Produkt gelernt hat. Die Zwei-Modell-Strategie hält den Wechsel von Anfang an offen.
Wie finden wir heraus, ob ein Modell für unsere Aufgaben taugt?
Mit einem Test an eigenen Dokumenten, nicht mit Demos: dieselben fünf Aufgaben bei jedem Anbieter, bewertet von zwei Fachpersonen nach Richtigkeit, Vollständigkeit, Sprache und Nachprüfbarkeit. Für Rechtsfragen zählt nur eine Antwort mit Fundstelle, die stimmt; für Berichte die Struktur und wie viel Korrektur nötig ist. Der Test dauert einen Tag und erspart Monate mit dem falschen Werkzeug.
Quellen
- Das richtige LLM ist entscheidend (Andreas Rupf, März 2026)Warum SPEKTRUM für seine Agenten Mistral gewählt hat: Kriterien, Kosten, Grenzen, Apertus im Blick.
- Apertus: Souveräne KI für die öffentliche Verwaltung (Andreas Rupf, März 2026)Der Kanton Tessin übersetzt amtliche Dokumente mit Apertus auf dem eigenen Server.
- Apertus, Swiss AI Initiative (ETH Zürich, EPFL, CSCS)Offenes Schweizer Sprachmodell, Gewichte und Dokumentation.
- KI-Zugriff auf das Firmenwissen: RAG (Andreas Rupf, Juni 2026)Erst Ordnung, dann Anschluss, und den Ausstieg offenhalten.
Diese Seite gibt Erfahrungen aus der Beratungs- und Entwicklungspraxis von SPEKTRUM wieder. Funktionen, Verträge und Preise der genannten Anbieter ändern sich; massgebend sind deren aktuelle Bedingungen und bei Personendaten das anwendbare Datenschutzrecht. Keine Rechtsberatung.